Stempel

Wenn ich als alleinstehende Frau jemandem gegenüber von meiner engen Beziehung zu Sombali sprach, wurde ich sehr oft offen oder hintenrum mitleidig belächelt – und fast noch schlimmer: wie traurig, dass ich es nötig hatte, mich mit der „Liebe“ eines Tieres zu begnügen, weil ich es anscheinend mit einem Menschen nicht „hinkriege“. Oder ich bekam den fassungslosen Vorwurf, wie ich mir anmaßen konnte, beim Versuch, zu erklären, wie wichtig mir Sombali ist, den Vergleich zu einem Kind zu ziehen. Genauso, wie eben über ältere, einsame, oft verwitwete Personen gewitzelt wird, weil sie ein geliebtes Tier wie einen Ersatzpartner oder eben ein Kind betrachten und „vermenschlichen“. Ehrlich gesagt fand ich es früher selber komisch, was meine alte Tante, (eine andere, nicht die in Basel), mit ihrem Zwergpudel alles aufführte, aber seit ich mit Sombali lebte, sah ich das alles ziemlich anders und wusste, wie enorm bereichernd und erfüllend die Beziehung zu so einem Tier sein kann – und manchmal eben auch wertvoller als jene zu Mitmenschen. Ich vermied jedoch tunlichst, weiter offen darüber zu sprechen, und erwähnte in persönlichen Gesprächen über Partner und Beziehungen oft gar nicht, dass ich in Wirklichkeit von einem Kater und nicht von einem Menschen sprach. Nur so konnte ich sicher sein, ernst genommen zu werden. Das fand ich oft traurig und schade.